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Roma-Familien erhalten bald wieder Geld

Kölner Stadt-Anzeiger 2. Oktober 2002
Vor einer Barrikade aus Matratzen, Brettern und Möbeln stand gestern die Cateringfirma "Apetito", als sie Im Auftrag der Stadt das Flüchtlingsheim Poller Damm mit Essen beliefern wollte. Die Bewohner, hauptsächlich Roma, wehrten sich gegen die Sammelverpflegung. Die "Apetito"-Mitarbeiter fuhuren unverrichteter Dinge wieder ab. Die Sinti und Roma sind empört über das Vorgehen der Stadt, "Geldleistungen teilweise auf Sachleistungen umzustellen". Auf Grund des Protests hat "Apetito" in einem Schreiben an die Stadt verkündet, "mit sofortiger Wirkung von der Auftragserfüllung abzusehen". Protest kam auch von anderer Seite. "Apetito" nennt u.a. "die Androhung eines Apetito-Essen-auf-Rädern-Kunden in Köln mit Einstellung des Warenbezugs". Arnd Schwendy, Leiter des Sozialamtes, nent zwei Gründe für die Sammelverpflegung: Einerseits bestehe der Verdacht, von ausbezahltem Geld würden Schlepperbanden finanziert, andererseits wolle man verhindern, dass Köln auf Flüchtlinge weiterhin so anziehend wirke. Einen neuen Essenslieferanten konnte die Stadt nicht so schnell finden, die Roma-Familien erhalten zunächst wieder Geld und können sich selbst versorgen. (luo) Bild aus dem Kölner Stadt-Anzeiger
Aufgebrachte Bewohner des Flüchtlingsheimes Poller Damm verwehtern gestern einer Cateringfirma den Zugang zum Heim. Sie wollen nicht von der Stadt mit Essen beliefert werden.



Köln, 1.10.2002

ROMA errichteten Barrikade am Poller Damm. Sie boykottieren Zwangs-Sammelverpflegung, die die Firma "Apetito" im Auftrag der Stadt Köln ab heute durchführen will.

Seit heute morgen um 7 Uhr blockieren die Bewohner des Flüchtlingsheimes Poller Damm - überwiegend Romafamilien, die in den Kriegen in Jugoslawien geflohen sind - die Zufahrt zu ihren Häusern. Damit soll die Firma "Apetito" daran gehindert werden, das Großküchenessen auszuliefern. Vor allem die Frauen, denen man damit die Möglichkeit nähme, selber zu kochen, sind empört und haben sich hinter einer Barrikade aus Möbeln, Tischen, Matratzen und Brettern verschanzt.
 
Mit dem heutigen Tag will die Stadt Köln nämlich die Zwangs-Sammelverpflegung für Flüchtlinge weiter ausdehnen. Bisher war diese nur im Containerlager und einer anderen Einrichtung getestet worden. Bekanntlich ist diese Form der Verpflegung Teil der Abschreckungsstrategie, die die Stadt seit nunmehr über einem Jahr praktiziert.Alle Kölner Menschenrechtsorganisationen sowie der Runde Tisch, der Katholikenausschuss, die Organisation "Pro Roma" kirchlicher PfarrerInnen und Gemeindemitglieder sowie der alternative Ehrenbürger Pfarrer Meurer haben seit längerem darauf hingewiesen, welche Entmündigung diese Zwangsverpflegung für die Flüchtlinge bedeutet. Es würde ihnen (die nicht arbeiten dürfen) auch noch der letzte Rest an aktiver Tagesgestaltung (Einkaufen, Zubereiten, Kochen etc.) und vor allem an individueller Versorgung genommen. Für sie vermittelt das gewohnte Essen ihrer Heimat bzw. ihrer Familientradition wenigstens ein wenig Geborgenheit in der fremden Welt. Von der besonderen Nahrung, die religiös vorgeschrieben ist oder die Kranke und Alte brauchen, gar nicht zu reden.
 
Die Firma "Apetito" hat den Auftrag zur Zwangs-Sammelverpflegung von der Stadt Köln erhalten. Als sie am gestrigen Montag in einem Test die Bewohner des Flüchtlingsheimes "Poller Damm" beliefern wollte, boykottierten dies die Bewohner, fast ausschließlich Roma, und versperrten mit Brettern, Möbeln und Matratzen die Zufahrt. Die Lieferanten gaben entnervt auf.
Der Rom e.V. hat in einem Offenen Brief die Firma "Apetito" aufgefordert, sich nicht aus Profitgründen zum Handlanger einer menschenfeindlichen Flüchtlingspolitik zu machen. Nach unseren Informationen haben alle anderen potentiellen Lieferfirmen den Auftrag abgelehnt.
 
   
   

Die Zentrale der Firma "Apetito" in Rheine hat auf Grund der Entschlossenheit der Proteste gegen die Zwangs-Verpflegung um 13Uhr der Stadt Köln mitgeteilt, dass sie die Auslieferung eingestellt hat.

Seit gestern Nachmittag hatten die Romafamilien im Heim "Poller Damm" mit Barrikaden die Zwangsverpflegung verhindert. Der Rom e.V hat die Flüchtlinge aktiv in ihren Forderungen unterstützt und die Firma "Apetito" über mögliche Konsequenzen aufgeklärt.
Die Romafamilien fordern, dass sie wie bisher die Möglichkeit haben sollen, ihre Nahrungsmittel selbst einzukaufen und zuzubereiten. Sie sind empört gegen die immer weitere Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen in Köln. Die Zwangs-Massenverpflegung ist bekanntlich weit teurer als die Auszahlung der Geldleistungen für die Selbstverpflegung. Aber die Stadt lässt sich diese Schikane lieber etwas kosten. Wir hoffen, dass die verantwortlichen Politiker der Stadt, die nach der Wahl bekanntlich die Berücksichtigung der emotionalen Aspekte in unserem Zusammenleben gelobten, endlich auf die Mahnungen vieler engagierter MitbürgerInnen hören und Menschen die vom Bürgerkriegen traumatisiert sind, anders behandeln.