Buchtipp: Die Globalisierung des Migrationsregimes von Frank Düvell, 2002,ISBN 3-935936-02-8, 12 .
Globales Migrationsmanagement - Die IOM hat auch in Bonn ein Büro
Die Internationale Organisation für Migration (IOM)
bislang kaum im Licht der Öffentlichkeit hat als zwischenstaatliche Institution auch eine Zweigstelle
in Bonn. Der Wahrheit käme es
sicher näher, wenn sie sich als Organisation gegen Migration bezeichnete; denn die IOM hat sich in Wirklichkeit
der Flüchtlingsbekämpfung verschrieben.
Die Aufgabe der IOM ist es, weltweit Migration zu beobachten, zu begrenzen und zu steuern. Mit Sitz in Genf
wurde sie 1951 als Instrument des Kalten Krieges gegründet, damals noch unter dem Namen PICMME. Schon bald wurde sie in logistischer, operationaler wie in konzeptioneller Hinsicht
zur international führenden zwischenstaatlichen Institution der Migrationspolitik und umfasst mittlerweile
weltweit 91 Mitgliedsstaaten und über 100 Büros. Sie rühmt sich damit, in die Geschicke von
11 Millionen Menschen eingegriffen zu haben, wobei sie allein im Jahr 2000 die Rückführung
von 430.000 Menschen betrieb, davon 164.000 aus Europa und 75.000 der grösste Anteil aus Deutschland. In
ihren eigenen Verlautbarungen auf ihrer Homepage sowie nicht zuletzt auf Plakaten in Ausländerämtern
wirbt die IOM für das Programm der freiwilligen Rückkehr
von Flüchtlingen. Wer mitmacht, bekommt ein kostenloses One-Way-Ticket plus ein kleines Taschengeld spendiert.
Wer dagegen die Mitwirkung an der freiwilligen Rückkehr verweigert, kann gemäss Asylbewerberleistungsgesetz
die Sozialbezüge gestrichen bekommen oder gleich in Abschiebehaft
genommen werden. Rückführungen betreibt die IOM hauptsächlich in Länder, in die wegen der
dortigen Zustände eine reguläre Abschiebung schwierig sein könnte. Sie schickt Menschen u.a. nach Timor,
Nordirak, Kosovo, Angola und Afghanistan zurück. Zu diesem Zweck arbeitet
die IOM mit der Bundesregierung zusammen und ist auch in den neuen so genannten Ausreisezentren bzw. Flüchtlingslagern aktiv.
Ausserdem sieht sich
die IOM der präventiven Eindämmung von Migration verpflichtet, schwerpunktmässig in Osteuropa, Zentralasien, im Kaukasus und auf dem Balkan.
Zunehmend ist die IOM auch integraler Bestandteil von internationaler Kriegspolitik, wobei ihr wie etwa im Kosovo eine Schlüsselrolle im Netz zwischen
Nato-Truppen, diversen Regierungen und NGOs zukommt. Erklärte Ziele sind die Kontrolle von internationalen Bewegungen und dementsprechend der Aufbau
moderner Migrations-Managementstrukturen, einschliesslich des Grenz-Managementsystems . Zu diesem Zweck organisiert sie auch die Ausbildung von Grenztruppen
und koordiniert den Bau von Flüchtlingslagern und Grenzanlagen. So ist zu befürchten, dass mit Hilfe der IOM eine Entwicklung noch weiter verschärft
wird, bei der in den letzten zehn Jahren an den Grenzen der EU mehrere tausend Flüchtlinge starben.
Kritik übt neben Amnesty International u.a. der
Roma National Congress, der zu verstehen gibt, dass v.a. die IOM als Feind der Roma deren Abschiebung arrangiere,
mit dem Ziel Europa romafrei zu machen.
Unterdessen organisiert das antirassistische noborder network seit vergangenem Herbst eine Kampagne gegen das IOM.
Da das IOM auch in Bonn (Koblenzer Str. 99) ein Büro hat,drängen sich auch vor Ort Aktionen auf. Text mit freundlicher Genehmigung dur nullnummer Bonn Nr.59 Februar/ März/ April '03